Dein anderes Ich – eine Kurzgeschichte

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Zwei Stationen später steigen wir an der Luisenstraße aus. Bis zum Hotel sind es nur wenige Gehminuten. Mit einem Satz springe ich aus der Bahn, Nico ist gleich hinter mir. Doch anstatt die paar hundert Meter mit mir gemeinsam zu gehen, eilt er an mir vorbei und verschwindet im tristen Grau der Häuserschluchten Düsseldorfs. Als ich die edle Lobby, die von leiser, klassischer Musik erfüllt wird, kurz nach ihm betrete, sitzt er bereits am Computer. Scheinbar ist er in die Zimmerplanung vertieft. Dabei hätte er noch einige Minuten Zeit, bis seine Schicht beginnt. Nico beachtet mich nicht, als ich an ihm vorbeigehe, um mir im Personalraum einen Kaffee zu besorgen. Einen kurzen Moment überlege ich, ob ich ihm auch eine Tasse anbieten soll, verwerfe diesen Gedanken jedoch schnell wieder. Er behandelt mich wie Luft. Warum also soll ich mir Mühe geben? Das kann ja eine tolle Schicht werden, denke ich im Stillen …

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